Geschichte

Auf den ersten Blick präsentiert sich die Einsiedelei Santa Caterina heute als ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert: Kirche, Glockenturm, Wohntrakt und Mönchsgarten. Aus einem Manuskript des kirchlichen Archivs der Gemeinde Rio nell’Elba wissen wir allerdings, dass die Einsiedelei um das Jahr 1624 nach einer wundersamen Erscheinung der Heiligen „vergrößert und verschönert” wurde.

Erscheinung der hl. Katharina um 1624

Dem Dokument zufolge soll die heilige Katharina, wunderschön und weiss gekleidet, dem Schäfer Domenico Schezzini an einem Frühlingsnachmittag erschienen sein und ihn aufgefordert haben dem Dorf mitzuteilen, dass seine Bevölkerung von nun an jeden Ostermontag diese Erscheinung feiern solle. Das betreffende Dokument spricht auch noch von einem anderen Wunder: die Kirche habe sich eines Tages plötzlich in den Himmel erhoben und sei schöner und größer geworden. Dann habe sich das neue Gebäude auch noch gedreht und sei, nun mit der Front zum Dorf anstatt wie bisher zum Meer, auf seinen Platz zurückgekehrt.

Frühmittelalterlicher Tempel

Die Spuren dieses architektonischen Wunders sind bei den Renovierungsarbeiten im Jahr 1988 offen zutage getreten: daraus wird auch ersichtlich, dass die jetzige Konstruktion auf einem älteren und viel kleineren Tempel errichtet wurde, dessen Apsis dem Berg zugewandt war. Dabei handelte es sich offenbar um ein frühmittelalterliches Gemäuer, das auch schon der Katharina von Alexandrien gewidmet war, jener Märtyrerin des 4. Jahrhunderts, die traditionsgemäß als die Beschützerin der Intellektuellen und Philosophen gilt.

Magischer Ort …

Aus den verschiedenen wundersamen Ereignissen rund um Santa Caterina lassen sich Schlüsse auf die bis in früheste Zeiten zurückgehenden magischen Eigenschaften des Ortes ziehen. Noch heute wird anläßlich der traditionellen „Festa della Sportella“ am Ostermontag Hefegebäck, das in seiner Dekoration an das weibliche Geschlecht erinnert, quasi als Segen, zur Einsiedelei gebracht. Für die heiratsfähigen Mädchen gedacht, entstand dieses Ritual sicherlich aus einem frühheidnischen Brauch. Noch in der romanischen Epoche wurden diese jungen Mädchen, wenn sie vor der Heirat starben, in Santa Caterina begraben.

… mit vielen Legenden

Viele Legenden ranken sich um das Bildnis der mystischen Hochzeit der Heiligen, das einst den Altar schmückte; es wird dem großen manieristischen toskanischen Maler Giovanni da San Giovanni zugeschrieben. Der Sage nach kritisierte der Auftraggeber, ein Fürst Appiani, dass die Heilige auf dem Gemälde mit zu langem Hals dargestellt sei, der Maler weigerte sich aber, es zu verändern. Nur dank des inbrünstigen Gebets durch eine ganze Nacht gelang es, den Hals in die richtige Proportion zum Rest des Bildes zu bringen. Im Jahr 1964 wurde das Bild der Einsiedelei geschenkt. Heute befindet es sich im Dom von Rio nell’Elba.

(Fabio Baldassari, Presidente della Provincia di Livorno)

Elba – Eisen

Die Insel Elba ist schon seit früher Zeit mit dem Eisen verbunden. Über die Entstehung des Erzes finden wir verschiedene Theorien, doch scheint das Auftauchen des noch heißen Elba – Granites vor etwa sechs Millionen Jahren ein entscheidendes Ereignis für die Lagerstätte gewesen zu sein, als das Erz im Südteil der Insel seine Magnetisierung erhielt. Den Seefahrern der Stein-, Kupfer- und Bronzezeit müssen die oft lebhaft gelb, rot, braun und schwarz gefärbten Felsen an der Ostküste aufgefallen sein und wohl früh wurden dort Farben geholt, um Menschen, Geräte und Wohnungen zu verzieren.

(Gerhard Sperl – Eisenschlacken von S. Caterina, Rio nell’Elba)